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Stadion Rustenberg

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Royal Bafokeng Stadion nahe Rustenburg

Nahe Rustenburg  sieht es gut aus. Die schmucke Arena für 40.000 Zuschauer ist fast fertig. 

Wo saftig-dunkelgrüne Avocadopflanzungen aufhören, beginnen endlose Orangenhaine, dann wachsen Macadamianüsse und zwischen Feldern mit feinem Gemüse und Salaten – das Rustenburg-Tal, knapp zwei Autostunden nordwestlich von Johannesburg, ist paradiesisch schön und fruchtbar.

Die schweren roten Böden, so typisch für Afrika, werden mit modernstem Farmgerät beackert; doch was darunter liegt, erregt Börsenanalysten in aller Welt.

Denn in New York, London und Frankfurt verfolgt man genau, was sich im idyllischen Rustenburg-Tal so tut. In der malerischen Landschaft liegen einige der größten, reichsten und zugänglichsten Platinminen der Welt. Wenn hier gestreikt wird, zum Beispiel, purzeln die Kurse, steigen die Weltmarktpreise. Längst hat das graue Edelmetall aus Südafrika Gold überflügelt, der Bedarf für Schmuck, vor allem jedoch in der Industrie, u.a. bei der Herstellung von Katalysatoren für Autos, hat in den letzten Jahren die Preise kräftig nach oben getrieben. Der Reichtum der letzten Jahre soll nun einem Ereignis der nahen Zukunft zugute kommen: Wenn 2010 der Weltmeisterschaftsball in Südafrika rollt, dann wird es auch in Phokeng, einem Vorort vorwiegend für Farbige, nahe der Provinzstadt Rustenburg, ein schmuckes Stadion geben: 40.000 Plätze, mit modernster Lautsprecherbeschallung, dazu Pressetribüne, Lichtanlage und Leuchttafelanzeige. Die Fertigstellung ist – man höre und staune – für Ende dieses Jahres versprochen. Das wollte sich Ihr Welt-ONLINE-Kolumnist doch genauer ansehen.

Springböcke und Warzenschweine im trocknen Buschfeld
Die Verkehrsanbindung von Johannesburg ist vorzüglich, sowohl gebührenpflichtige Highways, wie auch gute, geteerte Landstrassen führen zum Ziel. Okay, gelegentlich zuckelt ein alter Farmer in seinem „bakkie“, dem landesüblichen Pritschenwagen, vor einem her, hin und wieder klatscht eine Tomate vom überladenen Oldtimer. Ansonsten nur wunderschöne, hügelige Landschaft, eingerahmt von den Soutpansbergen, von wo Drachenflieger und Fallschirmsegler abheben. Jetzt, in den Wintermonaten, ist der Himmel wolkenlos und strahlend blau, die Tagestemperaturen liegen kaum über 20 Grad, nur die Nächte sind, nach dem kurzen Sonnenuntergang, ziemlich kühl.

Immer mehr Farmen der Gegend werden von den Besitzern in ihren Naturzustand zurückversetzt. Dann äsen wieder Springböcke, Warzenschweine und Kudus im trockenen Buschfeld, sogar die eine oder andere Giraffe verdreht ihren langen Hals. Viele neue B+B- Schilder, die auf „bed and breakfast“ zu erschwinglichen Preisen verweisen, zeugen vom touristischen Erwachen in diesem früher abgelegenen Landesteil Südafrikas. Schon vor Rustenburg tauchen die ersten Hinweisschilder am Straßenrand auf: Zum „Royal Bafokeng“ Stadion. Eine königliche Sportstätte in dieser Gegend? Diese ebenso seltsame wie wunderbare Story verdient erzählt zu werden.

"Der König ist ein Führer von vielen"

 Um die 300.000 Menschen leben auf traditionellem Stammesgebiet des Königs von Bafokeng, alle sind in den letzten Jahren, zumindest in den Bilanzen der ‚Royal Bafokeng Holding’ (RBH), steinreich geworden. Die großen, internationalen Minengesellschaften, die durch den Platinboom unendlich gut verdient haben, beteiligten schon vor Jahren die angestammten Landbesitzer am Segen. Deren weiser König Leruo Molotlegi umgibt sich mit klugen und geschäftstüchtigen Beratern. „Er ist kein absoluter Alleinherrscher“, erzählen einem die Einheimischen voller Verehrung, „der König ist ein Führer von vielen.“ Die Bafokeng, so erzählen sie stolz, haben „eine demokratisch gewählte Versammlung von Räten und Häuptlingen, die unsere Geschicke bestimmen“. Für Afrika geradezu wegweisend ist die Toleranz gegenüber Untertanen, die eigentlich gar keine gebürtigen Bafokeng sind: Etwa die Hälfte des Volkes und die Hälfte aller Kinder an Schulen, die von den Bafokeng unterhalten werden, entstammen nicht der königlichen Familie.

Gleichwohl nutznießen alle Untertanen von König Molotlegi - einem Mann der sich tagtäglich in einen eher altmodischen, dunklen Anzug, mal mit, mal ohne Krawatte kleidet – und vom Trust der ‚Royal Bafokeng Nation’ (RBN). Alle Entscheidungen über Investitionen ab gewisser Größe werden von einem Rat mit bis zu siebzig Mitgliedern gefasst, die, ähnlich wie Aktionäre, fungieren. Die Holdinggesellschaft RBH lädt außerdem zweimal im Jahr zur Versammlung in der Hauptstadt Phokeng ein, wo ein Geschäftsbericht in zwei Sprachen, Englisch und Setswana, vorgelegt wird. „Meine Bosse“, sagt Niall Carroll, der weiße Geschäftsführer der Holding, „sehen die Dinge auf lange Sicht“. Nämlich so: „Jeder ist sich darüber klar, dass unser Vermögen von früheren Generationen vererbt wurde. Deshalb handelt die gegenwärtige Generation verantwortungsbewusst; sie will der zukünftigen Generation mehr hinterlassen, als man selbst bekam.“

Stadionumbau für 150 Millionen Rand
Diese weise Geschäftsphilosophie hat sich bezahlt gemacht. Das Unternehmen RBH ist in diesen Wochen um die 34 Milliarden Rand (etwa viereinhalb Milliarden US-Dollar) wert. Gerade wurde ein Deal mit der südafrikanischen Telefonfirma Vodacom eingefädelt, da dürften weitere zwei Milliarden Rand in die Bilanz fließen. Die Strategie ist klar. Die Bafokeng wollen ihre frühere ausschließliche Abhängigkeit vom Platin verringern, ‚diversifizieren’ lautet die Anlageformel. Im Versicherungsgeschäft, im Kurierdienst und bei einer der größten landwirtschaftlichen Kooperativen sind sie ohnehin schon beteiligt. Ach ja, und am Umbau des Royal Bafokeng Stadions für 150 Millionen Rand, haben sie sich natürlich auch, quasi aus der Portokasse, beteiligt.

 

Schlagworte
Rustenburg Südafrika WM 2010 Royal Bafokeng Stadion Im Phokeng Einkaufszentrum, wo jetzt im Winter die Jakaranda Bäume etwas gerupft da stehen, gibt es ein Baubüro. Die Bafokeng, die dort arbeiten nennen sich „the A-Team“. Keine Frage, dass sie termingerecht, wahrscheinlich sogar etwas früher, ihre Sportstätte übergeben werden Kolumnist Schumacher in Kapstadt Stern

 

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